Ein Käfer namens Elsa (von Markus Voß)

Liebe auf den zweiten Blick


Doch bevor wir zum Käfer kommen, ein paar Worte zu uns.
Wir sind Janina und Markus, kennen uns seit Jugendjahren und sind seit fast vier Jahren ein Paar.

Während für Janina Autos bis zum Käfer vor allem Gebrauchsgegenstände waren, um von A nach B zu kommen, waren sie für mich schon immer Hobby und Leidenschaft. Mit 18 wurden die Matchbox-Autos gegen Fahrzeuge im Maßstab 1:1 getauscht und es wurde am eigenen Wagen geschraubt. Als das erste Auto – ein Mercedes W201 – immer älter wurde, rückten neben der Tuningszene auch Young- und Oldtimer immer mehr in den Fokus. So hatte ich nicht nur beruflich, sondern auch privat stets eine ordentliche Portion „Autospinnkram“ im Kopf.


Im Spätsommer 2024 ergab sich durch einen guten Freund die Gelegenheit, mit seinem Manta B an einer selbst organisierten Oldtimerausfahrt teilzunehmen. Nach einem tollen Tag voller Landstraßen, großartiger Menschen und entspanntem Dahincruisen war klar: Janina hatte Blut geleckt.
„Du, das war super – das können wir öfter machen.“
Das Problem: Für Oldtimerausfahrten braucht man bekanntlich einen Oldtimer – und der fehlte in unserem Fuhrpark.
Wieder einmal war Janina die treibende Kraft. Sie erzählte mir, dass ihr Vater in ihrer Kindheit in Kiel regelmäßig einen Umweg fahren musste, weil bei einem Autohaus ein Käfer-Cabriolet im Schaufenster stand. Seitdem war ein Käfer ihr Traumwagen.
Mein eigener Traum war zwar immer ein Porsche 911 – leider finanziell unerreichbar –, aber auch ich bin mit den Herbie-Filmen aufgewachsen. Und technisch ist ein Käfer ja irgendwie auch ein bisschen Porsche: Boxermotor, Heckmotor, runde Scheinwerfer.
Nach einiger Recherche verdichtete sich der Wunsch nach einem gemeinsamen Käfer. Kein Cabrio, aber ein Mexikaner schien als Hobbyauto realistisch. Aus einer Schnapsidee wurde plötzlich eine ernsthafte Mobile-Suche. Es wurde geschrieben, telefoniert, Fotos studiert und Fahrzeuge besichtigt – unter anderem ein Nicht-Mexikaner nördlich von Bremen.
Dort stand bei einem Händler ein frisch getüvter pastellweißer 1200er von 1971, frei nach dem Motto: Technik gut, Optik na ja. Man sah, dass der Vorbesitzer sich Mühe gegeben hatte, aber leider auch, dass an vielen Stellen gepfuscht worden war. Ich war skeptisch.


Janina hingegen war schockverliebt – ohne es mir direkt zu sagen.
Also fuhren wir erst einmal ohne Käfer nach Hause.
Zum Glück ist Janina sehr hartnäckig. In den folgenden Tagen wurde jeder Käfer, der für mich infrage kam, von ihr aussortiert:
„Zu gelb.“
„Das Armaturenbrett mag ich nicht.“
Oder einfach: „Nö, irgendwie nicht.“
Eines Morgens fragte sie mich dann, warum ich so sehr gegen den pastellweißen Käfer aus Bremen sei. Immerhin habe sie von einem weißen Käfer geträumt, der Elsa hieß. Als ich erklärte, dass die Technik zwar gut sei, der Wagen aber an vielen Stellen echte Arbeit erfordere, machte sie mir einen Vorschlag, den man nicht ablehnen konnte: Sie versprach, so gut sie könne mitzuhelfen und gemeinsam mit mir Elsa fit für die Saison zu machen.
Im November 2024 ging es also erneut nach Bremen.
Nach der Überführung auf eigener Achse von Bremen nach Preetz – die Janina einiges abverlangte – stand Elsa schließlich in unserer Garage. Ab da galt: Sonntag ist Käfertag. Egal bei welchem Wetter, wir standen gemeinsam in der Garage. Es wurde geschraubt, Pfusch beseitigt, geplant und diskutiert. Woche für Woche wurde die To-do-Liste kürzer.


Relativ schnell stand das Ziel fest: mit Elsa zum Maikäfertreffen nach Hannover.
Anfang April war es so weit. Der erste Rollout führte uns nach Gut Panker. Zum ersten Mal gemeinsam den Boxersound erfahren, die ersten Kilometer teilen – das war einfach wunderbar. In den folgenden Wochen wurden noch Kleinigkeiten erledigt, bevor wir uns auf den Weg nach Hannover machten. Ab Hamburg selbstverständlich nur noch über Land- und Bundesstraßen.
Dann standen wir im Käfermekka. Hunderte Käfer an einem Ort – und jeder einzelne mit eigener Geschichte. Es raubte uns den Atem.


Den Sommer verbrachten wir – sofern das Wetter mitspielte – regelmäßig mit Käfertouren. Zu Oldtimertreffen, nach Dänemark auf einen Hotdog oder einfach nur, um Landschaft und Auto zu genießen.


In dieser Zeit veränderte sich vieles. Zum einen wuchs Janinas Begeisterung für den Käfer immer weiter, bis Elsa mehr und mehr als Familienmitglied wahrgenommen wurde. Zum anderen begann auch ich, Elsas Ist-Zustand zu lieben. Sie ist kein Museumsstück. Sie hat Macken und Patina – aber sie macht unfassbar viel Spaß und sorgt überall für lächelnde Gesichter.


Zum Ende der Saison 2025 gab es noch ein Highlight. Kurz vor Elsas Geburtstag ging es für ein Wochenende nach Braunschweig und Wolfsburg – in ihre Geburtsstadt. Ein Trip, der allein Seiten füllen könnte und vielleicht irgendwann einen eigenen Reisebericht bekommt.


Nur so viel als Teaser: Die Hinfahrt drohte auf einem ADAC-Abschlepper zu enden, Elsa durfte eine Instagram-Story für das Volkswagenmuseum zieren, Polizeiabsperrungen wurden für uns geöffnet, wir fuhren durch ein heftiges Gewitter – und jede Ankunft im Hotel war alles andere als unauffällig.
Mit rund sechstausend Kilometern fand die Saison schließlich ein würdiges Ende.
Anfangs gab es die Beichte, dass Janinas Traumwagen eigentlich ein Käfer-Cabrio ist. Ein wenig wurde dieser Wunsch Ende 2025 erfüllt, als mir ein Beetle Cabrio aus 2017 angeboten wurde. Der Preis war mehr als fair – vor allem, weil das Auto in gute Hände sollte.
Und so zog im Dezember Elsas Enkelin bei uns ein: Emma.

Noch ein paar technische Daten.

• Typ 1200er
• Baujahr 1971
• Leistung 34PS
• Höchstgeschwindigkeit 112Km/h
• Trommelbremse vorn und hinten
• Veränderungen: Lampenschirme, Stoßstangenhörner, Radio Blaupunkt, Blaupunkt Kugellautsprecher, Hurst Shifter mit FACH8 Schaltknauf, Momo Prototipo Black Edition, Stahlfelgen 5,5x15 mit 155/80R15 Weißwandreifen und Chromradkappen, Recaro Sitze vorn, Theo Decker Auspuffrohre, VDO Zusatzinstrumente und Drehzahlmesser